Ich sitze in einem wissenschaftlichen Vortrag mit ca.150 weiteren Personen. Ein engagierter Referent spricht. Seine Mimik und Gestik, seine Leidenschaft faszinieren mich, ich beobachte seine Körpersprache und wie sie im Zusammenspiel mit seinen Worten bei mir und den anderen Zuhörer*innen ankommen. Die Sonne scheint, es ist ein erster Hoffnungsschimmer im kommenden Frühjahr. Draußen wummern Bässe, durch die Fenster lässt sich erkennen, dass für eine Party aufgebaut wird. Neben mir räuspert sich ein Mann, einige Zuhörerinnen in der Reihe hinter mir unterhalten sich fortwährend, in der Reihe vor mir kommen weitere Personen leise ins Gespräch. Ich friere, denn es ist ein wenig kühl in dem Saal, zudem drückt die Blase und ich denke darüber nach, ob ich jetzt oder später zur Toilette gehen will.

Und langsam wird mir das alles zu viel. Es fällt mir gerade immer schwerer, das, was ich wahrnehme auszublenden und mich auf einen Teil – nämlich den Vortrag – zu konzentrieren. Ich nehme alles gleichzeitig war. Und bekomme immer mehr das Bedürfnis zu verschwinden, um meine Ruhe zu haben. Ich bin reizüberflutet oder mit anderen Worten – ich bin hochsensibel.

Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen, dass ca. 15-20% aller Menschen hochsensibel veranlagt sind und dass diese Besonderheit nur eine weitere in einem Spektrum vielfältigen menschlichen Daseins darstellt.

Sabine Dinkel hat mit ihrem frisch erschienen Buch: Hochsensibel durch den Alltag. Raus aus der Reizüberflutung. Gelassen durch alle Alltagssituationen, einen wunderbaren Ratgeber geschrieben.

Hochsensibel durch den Alltag

 

 

 

 

 

 

 

 

Ihr Buch vereint mehrere Aspekte: Informationen darüber, was eigentlich Hochsensibilität ist und wie sie erkannt werden kann. Dazu kommt reichhaltiges Handwerkszeug für die alltägliche Praxis.

Hier zahlen sich die vielen Erfahrungen von Sabine Dinkel aus, die als Coach und Hochsensible eine Fülle wirklich umsetzbarer Tipps anbietet (die übrigens für Normalsensible genauso hilfreich sind, z.B. über ein gutes Zeitmanagment!). Frei nach dem Motto, du kannst, du musst aber nicht, kann man das für sich Passende heraussuchen.

Denn hochsensibel ist nicht gleich hochsensibel. Menschen mit diesen Merkmalen unterscheiden sich individuell untereinander durch die „Kanäle“ (Sinne), auf die sie vorrangig ansprechen. Bei mir ist das ganz klar das Gehör, wie oben in dem Beispiel beschrieben.

Das Buch ist mit seinen 222 Seiten übersichtlich gegliedert. Es finden sich Tipps für den

  • Arbeitsplatz im Büro, wie für das Home-Office
  • für den Umgang mit Beziehungen in Freundschaft und Partnerschaft
  • zum Netzwerken oder dem Besuch von Ärzt*innen
  • vielen tollen Tipps zur Selbstfürsorge
  • weiterführende Links, Literatur und Online-Portalen

Aus fachlichem und persönlichem Interesse (als Coach und Hochsensible) habe ich schon etliche Bücher und Internetseiten zum Thema Hochsensibilität gelesen. Das Buch von Sabine Dinkel ergänzt die bestehende Literatur durch seine Praxisnähe und der persönlichen Offenheit der Autorin. Viele Stellen lassen mich schmunzeln, wenn Dinkel z.B. schreibt, welche Rituale sie pflegt beim Nachhause kommen, um sich zu entspannen. Da spielen zwei Hundedamen eine besondere Rolle …

Besonders ansprechend finde ich die Vorschlagsliste für angenehme Tätigkeiten, die gut tun und Energie spenden. Wenn man, so wie ich, in eine Situation gerät, die so beginnt: „Ich sitze in einem wissenschaftlichen Vortrag …“ du weißt schon, was ich meine. :)

Sabine Dinkel: Hochsensibel durch den Alltag. Humboldt 2016-04-08. In Zusammenarbeit mit www.hochsensibel.org