„Ich liebe es, zu gestalten“ – ein Wesenskern erzählt.

Oh man, hat das lange gedauert. Seit vielen Jahren lebe und wirke ich so vor mich hin. Jetzt hat die Frau mich endlich zur Kenntnis genommen. Allerdings ist sie irritiert. Sie wusste nicht, dass es mich gibt – und jetzt: Überraschung!

Ich bin schon lange da. Ans Licht kam ich, als die 7-Jährige Miriam anfing mit Lego Häuser zu bauen, diese vorher aufzuzeichnen und anschließend zusammen zu setzen. Es hat ihr viel Spaß gemacht. Sie merkte nicht, wie die Zeit verflog. Ihre Eltern mussten sie mehrere Male zum Essen rufen, weil sie so abgetaucht war. Sie kam verträumt in die Küche, mit einem bezaubernden Lächeln im Gesicht. Ein Ausdruck, der an ein Sahne schleckendes Kätzchen erinnerte. Wir waren eins. Sie folgte ihrer Lust zu malen und zu bauen und ich beflügelte sie mit meiner kreativen Ader. Mit im Boot die Ideengeberin, mit der ich mich von Anfang an sehr gut verstand. Sie lebt nach dem Motto: Wende dich mir zu und höre genau hin und ich beschenke dich. Klasse Einstellung. Die Ideengeberin ist ebenfalls schon lange dabei. Wir sind wie siamesische Zwillinge.

Den Moment, an dem Miriam mich bewusst wahrnahm, werde ich nicht vergessen. Sie war mittlerweile 38 Jahre und wollte sich besser verstehen lernen. Sie sprach mit einigen Freund*innen und las verschiedene Ratgeber. Sie schrieb auf, womit sie sich gerne beschäftigte.

An einem späten Mittwochnachmittag hörte sie zufällig in der S-Bahn das Gespräch von zwei jungen Männern mit. Sie schienen befreundet zu sein, der eine, etwa 17-Jährige, erzählte soeben recht offen von seinen Plänen. Die jetzige Berufsausbildung schließe er ab, werde danach eine weitere Ausbildung beginnen. Sein Freund schien das nicht zu verstehen und fragte fassungslos, was an dem neuen Beruf so toll sei.

Diese Frage sprang sie förmlich an, sie hatte sie sich noch nie gestellt. Was an ihrem Beruf als Eventplanerin gefiel ihr? Was war daran so toll? Die Sehnsucht wuchs, dieser Kraft und Energie einen Namen zu geben. Planen und organisieren machte ihr sehr viel Spaß, noch mehr allerdings Lösungen für knifflige Probleme zu finden. Wie ließ sich das benennen, sodass es sich für sie stimmig anhörte? Es dauerte einige Tage und dann machte es klick.

„Ich liebe es, zu gestalten“ – ja, das ist es! Einmal angefangen entdeckte sie weitere Situationen, in denen sie gerne gestaltete: bei der Gartenarbeit; im Basar im vergangenen Oktober, wo sie selbstgemachten Essig und Öle verkaufte; als sie eine Wand in ihrer Wohnung verschönerte.
Sie spürte unvermutet ein tiefes Glücksgefühl in sich aufsteigen.

Karte mit Spruch

Nach und nach entdeckte sie weitere Kolleginnen von mir. Denn ich arbeite am liebsten im Team, wir kooperieren sehr gerne und gut miteinander. Eine super Zusammenarbeit läuft mit der Wissbegierde und dem Gespür. Das hat ein feines Gefühl für Stimmigkeit und wählt unfehlbar passende Gelegenheiten und Menschen aus.

Was ich davon habe, dass Miriam jetzt um mich weiß? Ich werde gesehen und wertgeschätzt. Ich verfüge über mehr Platz und Raum, kann mich auszudehnen und mein herrliches Potenzial zeigen.

Und Miriam?

Eines meiner größten Geschenke ist, dass sie glücklich ist, wenn sie mit mir und meinen Kolleginnen in Berührung ist. Sie kann aktiv nach mir ausschauen und sich gezielt fragen, ob sie jenes tun oder anderes lassen will. So bei der Planung eines Geburtstagsparty für ihren Freund letzte Woche. Sie tauchte völlig ein, vergaß die Zeit, plante und organisierte – und fühlte sich einfach nur wohl.

Wir sind wieder eins – ist das nicht toll?

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